Just Another Box on the Wall

Die Montage einer Ladestation für E-Autos ist einfach. Als Kunde braucht man nur einen Elektriker. Dieser kümmert sich um alles, inklusive aller Genehmigungen, und montiert die Station in drei einfachen Schritten.

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Ein kurzer Blick in die Wolken: Sieht gut aus. Kein Regen in Sicht. Die Sonne blinzelt über die Weinberge. Es ist idyllisch hier im Süden Freiburgs. Rechts geht es in den Schwarzwald. Der erste Weinhändler ist nur ein paar Schritte entfernt. Links geht es nach Frankreich. Nur einmal über den Rhein, eine Fahrradtour entfernt vielleicht. Doch für all das hat Alexander Brodbeck gerade keinen Blick. Er kniet vor einem Kellerfenster in Ebringen und entfernt den letzten Pflasterstein. „Ein Elektriker muss halt irgendwie alles können“, lacht Brodbeck. Sein Auftrag: Die Montage einer sogenannten „Wallbox“, einer Ladestation für E-Autos an der Außenfassade eines Wohnhauses. Nicht die erste in dieser Straße. Routine für Brodbeck? „Ja, wir montieren praktisch jede Woche eine Wallbox.“ Denn ja, sie kommt, die E-Mobilität. Rund 80.000 E-Autos fahren bereits auf deutschen Straßen, heißt es auf Statista.de. Die meisten davon sind Geschäftsautos und werden zum Beispiel an Wallboxen, wie Brodbeck sie heute montiert, auf Firmengeländen oder an Privathäusern geladen. Theoretisch ließe sich das Auto auch an der „normalen“ Haushaltssteckdose laden. Doch würde der Ladevorgang erheblich länger dauern und das Netz zu sehr belasten. Zudem besteht bei dieser Dauerlastanwendung auch die Gefahr einer Überhitzung der Steckdose und somit eine Brandgefahr. Einfacher, sicherer und vor allem schneller geht es mit einer Wallbox.

E-Mobilität boomt: Fast jede Woche montiert Alexander Brodbeck eine Wallbox.
E-Mobilität boomt: Fast jede Woche montiert Alexander Brodbeck eine Wallbox.

Schritt 1: Wo soll sie hängen?

Es gibt viele Wallbox-Hersteller. „Wir verbauen hier heute eine 11-kW-Wallbox mit einem 7,5 Meter langen Kabel“, erklärt Alexander Brodbeck. „Mit ihr ist das Fahrzeug in rund 30 Minuten vollständig aufgeladen.“ Und sie kann eigentlich überall hängen. Klar, das Kabel muss bis ans Auto reichen. Da in diesem Fall die Stellplätze aber direkt neben dem Haus sind, ist das kein Problem.

Mit einer 11-kW-Wallbox lässt sich ein Fahrzeug in rund 30 Minuten vollständig laden.
Mit einer 11-kW-Wallbox lässt sich das Fahrzeug des Kunden in rund 30 Minuten vollständig laden.

Nachdem Alexander Brodbeck eine geeignete Stelle gefunden hat, bohrt er ein Loch. Er muss herausfinden, wie dick die Dämmung ist. Nur so weiß er, wie lang die Schrauben sein müssen, um die Wallbox sicher zu befestigen. Das ist schnell erledigt. Mit einer handlich kleinen Wasserwaage richtet er die Ladestation an der Wand aus und markiert die vier Stellen, an denen sie später mit der Wand verschraubt wird. „Bevor ich hier aber anfange festzuschrauben, führe ich erst das Kabel hinten durch“, sagt Alexander Brodbeck. „Denn wenn die Wallbox einmal hängt, ist es unheimlich schwierig, von unten das Kabel in die Box zu schieben.“

Brodbeck bohrt vor, wenn er wissen will, wie dick die Dämmung ist.
Brodbeck bohrt vor, wenn er wissen will, wie dick die Dämmung ist.

Mit geübtem Handgriff schiebt Brodbeck das fünfadrige Kabel hinten in die Ladestation. Jetzt sieht es aus, als würde die Wallbox die Finger ausstrecken. Fünf Adern drehen sich in alle Richtungen nach außen. Dabei handelt es sich um drei Außenleiter, oder auch Phasen genannt, einen Schutz- und einen Neutralleiter. Durch die Außenleiter fließt der Strom vom Netz in die Steckdose beziehungsweise in die Wallbox. Sind die Außenleiter unterschiedlich, oder auch asymmetrisch, belastet, gleicht der Neutralleiter diese Asymmetrie aus. Der Schutzleiter dient der Sicherheit, etwa dem Schutz vor elektrischen Schlag. „Das lasse ich jetzt erst mal so, denn jetzt kommt der zweite Schritt, und der erfordert Zeit und ein noch etwas lockeres Kabel“, sagt Brodbeck.

Aus fünf Adern besteht das Kabel, das den Strom für die Wallbox liefert: drei Außenleiter sowie je ein Neutral- und Schutzleiter.
Aus fünf Adern besteht das Kabel, das den Strom für die Wallbox liefert: drei Außenleiter sowie je ein Neutral- und Schutzleiter.

Schritt 2: das Versteck

Gute Elektriker sind Meister im Kabelverstecken. Auch Alexander Brodbeck weiß, dass Kunden vor allem eines mögen: Wenn sie am Ende nichts von der Arbeit sehen können. Ein gewisser Sinn für Ästhetik gehört also auch dazu. „Für das kurze Stück von der Wallbox bis zum Boden verwende ich ein Alurohr als Kabelabdeckung“, erklärt Brodbeck. „Das sieht besser aus als das Plastikrohr und hält ein bisschen was aus, falls doch mal ein Auto beim Einparken etwas weiter ausholt.“ Da das eine Ende des Kabels schon in der Ladestation steckt, muss Brodbeck das Rohr von der anderen Seite über das Kabel schieben. Bei einem 20 Meter langen Kabel ist das eine ganz schöne Geschiebe. Schließlich sitzt das Rohr direkt unterhalb der Wallbox. „Passt“, grinst Brodbeck. „Jetzt muss nur noch das restliche Kabel verschwinden.“

Ästhetik im Blick: Die Kabel wollen gut versteckt sein.
Ästhetik im Blick: Die Kabel wollen gut versteckt sein.

Die Pflastersteine, die Brodbeck vorhin entfernt hat, liegen bereit. Alexander Brodbeck muss vorher das Kabel im Kies verschwinden lassen und – ganz wichtig – ein Loch in den Keller bohren. „Wir können das Kabel ja nicht durchs Fenster ziehen“, sagt der Elektriker. Der Schlagbohrer hat schon den entsprechenden Aufsatz drauf, es knattert kurz und schon kann Brodbeck das Kabel durch das Loch in den Kellerraum mit dem hauseigenen Stromkasten schieben. Damit kein Wasser hineinlaufen kann, kommt von oben und unten noch Dichtmasse ins Loch – fertig. „Bevor ich jetzt aber alles anschließe, kommen erst die Pflastersteine wieder an ihre Plätze“, sagt Brodbeck und kniet sich hin. Stein für Stein versteckt er dann das Kabel. Als der letzte Stein verlegt ist, widmet sich Brodbeck dem fünfadrigen Kabel in der Wallbox. Mit einer Spezialzange sind auch die fünf Adern im Handumdrehen abisoliert und in die farblich markierten Anschlüsse in der Box gesteckt.

Ein Handgriff genügt, und das fünfadrige Kabel steckt in der Wallbox.
Ein Handgriff genügt, und das fünfadrige Kabel steckt in der Wallbox.

Festschrauben – fertig. Draußen wäre dann alles angeschlossen und montiert. Jetzt schnappt sich Alexander Brodbeck seinen Werkzeugkoffer und hängt sich die kleine Holzleiter über die Schulter. „Dann ab in den Keller“, sagt er.

Schritt 3: grünes Licht

Platz ist Luxus. Ein Glück, dass in diesem Fall das Kellerfenster auf Kopfhöhe ist und zur Straße hinausgeht. So kann Alexander Brodbeck die Kabelkanäle, also die langen Plastikrohre, noch vor dem Fenster liegen lassen. Von dort aus kann er sie dann ganz einfach in den Keller hineinziehen. Brodbeck läuft um ein altes Puppenhaus, Putzeimer und Gartengeräte herum und sieht sich die elektrische Anlage und die baulichen Gegebenheiten erst mal an. Unzählige Kabel kommen aus der Wand und verschwinden in einer Ecke. „Das müssen Internet, TV und Telefon sein“, sagt der Elektriker. Daneben der Stromkasten mit sechs Zählern. Die Wallbox muss an den mittleren in der unteren Reihe angeschlossen werden. Dazu führt Brodbeck das Kabel knapp unter der Decke entlang bis über den Stromkasten. Wieder abisolieren und durch den Kasten schieben. Jetzt muss er noch eine Fehlerstromschutzeinrichtung (FI-Schutzschalter) und eine Sicherung einbauen, um die Leitung ordnungsgemäß abzusichern.

Der Anschluss an das Hausnetz: Eine Frage weniger Handgriffe.
Der Anschluss an das Hausnetz: Eine Frage weniger Handgriffe.

Jetzt kann er die Sicherung einschalten und die Funktion der Wallbox testen. Piep, Piep, Piep! Der Strom fließt. Zum Schluss noch die üblichen Tests, ob die Kabel halten und die Elektrik sicher funktioniert, etwa eine Widerstandsmessung und ein Fehlerstromtest sowie ein Prüfprotokoll ausstellen, indem die Sicherheit für den Kunden dokumentiert wird. Denn: Für Sicherheit ist immer Zeit. Dann geht Alexander Brodbeck wieder nach oben und checkt den Status der Wallbox. Das kleine grüne Batterielämpchen in der Mitte leuchtet bereits. Sehr gut!

Grünes Licht, das neue E-Auto kann kommen.
Grünes Licht, das neue E-Auto kann kommen.

Grünes Licht für die Abnahme vom Auftraggeber. Alexander Brodbeck ist bereit für die Übergabe. Fünf Minuten später kommt der Kunde und begutachtet Brodbecks Werk. Er sieht zufrieden aus. Klar, denn jetzt kann das neue E-Auto kommen. Was ihn dazu bewegt hat, ein Elektroauto zu bestellen? Viele Gründe: Es sei ein Geschäftsauto, da bekomme er Zuschüsse. Außerdem sei es günstiger in der Versteuerung. Der Umweltaspekt spiele natürlich auch mit rein. Insgesamt erhoffe er sich aber auch geringere Kosten im Unterhalt. Das sei aber schwer zu beziffern, so ganz ohne Erfahrungswerte.

Und plötzlich hängt sie da, die neue Wallbox.
Und plötzlich hängt sie da, die neue Wallbox.

Nach der Wallbox-Montage ist vor der Wallbox-Montage

Noch zwei Unterschriften und Alexander Brodbecks Arbeit ist getan – nach nur vier Stunden. Und nächste Woche dann dasselbe Spiel. Nur an einem anderen Ort. „Ja“, sagt er. „Wir spüren regelrecht, wie schnell die E-Autos beim Verbraucher ankommen.“ Ein Grund ist sicherlich auch die einfache Installation. Und auch der Aufwand von der Entscheidung für eine Wallbox bis zur fertigen Montage ist gering. Die Kunden müssen nur einen Elektrofachbetrieb beauftragen. Der kümmert sich dann um alles. Er meldet die Installation beim Netzbetreiber an und informiert diesen über die erfolgte Inbetriebnahme. Mehr nicht. „Zwei Mails sind das“, sagt Alexander Brodbeck. Mittlerweile hat er sein Werkzeug verstaut. „Feierabend“, sagt er noch und verschwindet hinter den Weinbergen.

Noch zwei Unterschriften und Alexander Brodbecks Arbeit ist getan – nach nur vier Stunden.
Noch zwei Unterschriften und Alexander Brodbecks Arbeit ist getan – nach nur vier Stunden.

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