Fakten zum idealen Stromtanken

Auch wenn es länger dauert als anfangs angenommen: Immer mehr E-Autos summen über Deutschlands Straßen. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stellt sich schnell die Frage: Wie lädt man sein Auto am besten? Und wie bleibt das Stromnetz dabei stabil? Wir erklären mithilfe von VDE|FNN-Experte Dr.-Ing. Michael Fette die Basisfakten und warum dreiphasiges Laden das Beste für die Verbraucher und das Stromnetz ist.

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1. Dreiphasiges Laden ist schneller

Im Gegensatz zum Einphasenwechselstrom, wie er etwa aus einer Haushaltssteckdose kommt, fließt der dreiphasige Strom aus drei Leitungen beziehungsweise Phasen gleichzeitig. Das beschleunigt das Stromtanken um ein Vielfaches und steigert den Komfort für den Autonutzer.

2. Hausanschlüsse sind (in der Regel) fit für schnelles Laden

Prinzipiell sind in Deutschland private Häuser und Haushalte über drei Phasen an das (Dreh-)Stromnetz angeschlossen. Mit einem Fachmann muss geklärt werden, ob ein passender Anschluss zum Laden eines E-Autos vorhanden ist oder ob einer erstellt werden kann. Für effektives Laden ist eine Wandladestation – eine sogenannte Wallbox – zu empfehlen. Sie kann wie ein Elektroherd mit Drehstrom angeschlossen werden. So lädt die Box ein E-Auto in wenigen Stunden komplett auf. Möglicherweise kommt die Hausinstallation aber an ihre Leistungsgrenzen. Deshalb sollte das ein Elektrofachbetrieb vorher überprüfen.

3. Nicht einfach die Zimmersteckdose anzapfen

Wichtig beim häuslichen Laden: Normale Haushaltssteckdosen sind meistens einphasig und somit üblicherweise nicht für das mehrstündige Laden ausgelegt. Wird ein E-Auto an einer Zimmersteckdose geladen, dauert das nicht nur sehr lange, sondern ist auch schlecht für das Stromnetz. Einphasige Belastungen bringen das Stromnetz in ein Ungleichgewicht, was dazu führen kann, dass Haushaltsgeräte nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren.

4. Gut fürs gesamte Stromnetz

Neben der Nutzerperspektive gibt es da noch die Sicht auf das Stromnetz und das gesamte Energieversorgungssystem. Umso mehr E-Fahrzeuge gleichmäßig – oder auch symmetrisch – über die drei Phasen geladen werden, desto besser. Dies wird umso wichtiger, je mehr E-Fahrzeuge auf den Straßen fahren. Was gut für das Stromnetz ist, ist auch für den gut, der das Stromnetz benutzt. Denn so fließt der Strom weiterhin verlässlich aus der Steckdose.

Was bedeutet Dreh- & Wechselstrom?

Beim Drehstrom wird Leistung auf drei Leitern – oder auch umgangssprachlich Phasen genannt – gleichmäßig übertragen. Da ein drehendes Magnetfeld erzeugt wird, das zum Beispiel in Motoren und Generatoren genutzt wird, wird es als Drehstrom bezeichnet. In unseren Haushalten arbeiten verbrauchsstarke Geräte wie Elektroherde oder Durchlauferhitzer mit Strom direkt aus dem Drehstromnetz, das auch dreiphasiges Netz genannt wird. Hausanschlüsse werden grundsätzlich an das Drehstromnetz angeschlossen.

Ganz einfach kann aus dem Drehstromnetz der einphasige Wechselstrom abgegriffen werden. Haushaltssteckdosen sind generell einphasig angeschlossen. Sie bieten je nach Absicherung bis zu 16 Ampere Stromstärke bei 230 Volt Spannung. Das sind knapp 3.700 Watt oder 3,7 Kilowatt Leistung. Auf diese einfache Art und Weise können aber nur kleinere Elektrogeräte angeschlossen werden. Lädt man ein gängiges E-Auto mit einem 40 Kilowattstunden starken Akku an einer Haushaltssteckdose, braucht man dafür also über zehn Stunden. Perspektivisch steigen die Batteriekapazitäten an und damit dann auch die Ladedauer, wenn über die Haushaltssteckdose geladen wird.

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